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Wallfahrtsbasilika Marienweiher

Wallfahrtsbasilika Marienweiher

Pfarr- und Wallfahrtskirche
MARIENWEIHER
Patrozinium Mariä Heimsuchung (2. Juli)
Landkreis Kulmbach/ Oberfranken/ Erzbistum Bamberg

Geschichte

Die Erbauungszeit der ersten Kirche Marienweihers ist unbekannt. Friedrich Förner versucht in seinem Buch "Beneficia miraculosa" nachzuweisen, dass bereits der Bamberger Bischof Otto I. 1124 eine Kirche in Marienweiher gegründet habe. Dagegen ist eine Urkunde von 1189 im Original mit Siegel erhalten, in der Bischof Otto II. (1177-1196) das Zisterzienserkloster Langheim mit der Eigenkirche in Marienweiher beschenkt. Diese Schenkung wurde 1217 erneuert. Bei der Kirche wurden ein Kloster und ein Hospiz errichtet.

Anfang des 12. Jahrhunderts sei ein sächsischer Fuhrmann im Straßenwirtshaus am Vordersee (dies wird als älteste Bezeichnung für Marienweiher angesehen) eingekehrt. In der Nacht sei das Wirtshaus von Räubern überfallen worden. In Lebensgefahr habe sich der Fuhrmann an die Gottesmutter gewandt; er sei daraufhin gerettet worden. Seinem Gelübde gemäß, habe er ein Marienbild in einer hölzernen Kapelle aufgestellt. Bald sei diese Kapelle von Pilgern immer mehr besucht worden. Hierin sieht die Legende den Beginn der Wallfahrt von Marienweiher.

Wallfahrtsbasilika Marienweiher
Wallfahrtsbasilika Marienweiher

In den Wirren der Hussiteneinfälle (1419-1436) wurden die Kirchenbauten in Marienweiher geplündert und zerstört. Daher gab die Abtei Langheim 1430 die Seelsorge in Marienweiher auf, die dann von Weltpriestern wahrgenommen wurde. Ob die Kirche bereits in den darauf folgenden Jahren oder erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts wiederhergestellt wurde, ist fraglich. Das Kloster blieb jedenfalls als Ruine stehen.

Für die Bauzeit ab 1480 spricht, dass das Gnadenbild, die Kreuzigungsgruppe rechts am Kircheneingang, und einige Figuren um diese Zeit entstanden sind. Vielleicht erlebte das Wallfahrtswesen in dieser Zeit seine erste Blüte.

1574 soll Pfarrer Joh. Hofmann in Marienweiher die lutherische Lehre eingeführt haben. Die Gegenreformation begann mit der Amtsenthebung des ebenfalls protestantisch orientierten (?) Pfarrers Joh. Götz 1594: Das Wallfahrtswesen erhielt nun bischöfliche Förderung und neuen Zulauf, so dass ein größerer Kirchenbau nötig wurde und infolge zahlreicher Spenden auch möglich war (ausgeführt zwischen 1617-1620).

Die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges bekam Marienweiher seit dem ersten Schwedeneinfall vom 6. Juni 1631 zu spüren. Auf Plünderungen und Zerstörungen bis 1647 durch Truppen beider konfessioneller Richtungen, verstärkt durch Hungersnöte und Seuchen, folgte eine Erlahmung des katholischen Gemeinde- und Wallfahrtslebens. Um dem entgegenzuwirken, rief der Fürstbischof von Bamberg die (oberdeutschen) Franziskaner um seelsorgerische Hilfe an und übertrug ihnen 1644 die Pfarrei.

Der Ankunft der Franziskaner (24. Dezember 1646) folgten bald Zwistigkeiten um Verwaltungsangelegenheiten, so dass die Patres die Pfarrei 1650 abgaben. Während sich die Franziskaner weiterhin um die Wallfahrtsseelsorge kümmerten, versahen Weltgeistliche die Pfarrei. So zielte die Bautätigkeit (1650-1661) der Mönche vor allem auf den Wiederaufbau und die Abschirmung des Klosters und des Hospizes ab. Die nichtsdestoweniger gute Zusammenarbeit zwischen Welt- und Ordensgeistlichkeit brachte der Pfarrei stetigen Aufschwung, so dass 1699 Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn einer Umwandlung des „Klösterleins" in ein förmliches Kloster (Konvent) zustimmte.

Der Hochaltar mit dem viel verehrten Gnadenbild
Der Hochaltar

Das 18. Jahrhundert war somit für Marienweiher eine Zeit reger Bautätigkeit, gipfelnd im Neubau des barocken Langhauses nach 1718/ 1719 (eingeweiht von Weihbischof Werner Schnatz 1721) und des Turmes (1743-1745); dazu kam noch die (zweite) Erweiterung des Klosters (1777). In der Säkularisation (1802) erfolgte die Zivilbesitznahme und Auflösung des Klosters. Erst 1828 erlaubte König Ludwig I. von Bayern die Wiedereinrichtung des Klosters und die Neubelebung des Ordenslebens.

Als eine Folge davon, begann auch das Marienweiherer Wallfahrtswesen ab 1840 wieder zu blühen und erreichte um 1870 einen Höhepunkt. Wallfahrer kamen vor allem aus Franken und der Oberpfalz. Der Übernahme 1900 folgte die Obernahme auch der Ortspfarrseelsorge durch die Franziskaner. Teilrenovierungen des Gotteshauses und der Klostergebäude ab 1867 bis heute haben den Bedürfnissen der Gläubigen Rechnung getragen.

Der Grundriss der Pfarr- und Wallfahrtskirche
Der Grundriss der Pfarr- und Wallfahrtskirche

Künstler

Im Pfarrarchiv sind uns die Namen der beteiligten Künstler der jetzigen Kirche überliefert. Als Maurermeister erscheint Christoph Leidner von Bamberg. Die Stukkaturen (1720) stammen von Johann Jakob Vogel (1661-1727) aus Bamberg, die Fresken malte Antonio Nave, die Schieferdeckerarbeiten übernahm Johann Eiter von Bamberg. Kanzel (1728) und Seitenaltäre schuf Martin Walther (um 1687-1763) aus Bamberg. Das Altarkreuz und die sechs größeren Altarleuchter fertigte 1785 Franz Michael Strele aus Augsburg; die Kommunionbank 1815 Kaspar Zeltler aus Enchenreuth. Der Turmbau (1743-1745) erfolgte nach Plänen des fürstbischöflichen Hofarchitekten Johann Jakob Michael Küchel (1703-1769). Der jetzige Hochaltar (1810-1812) wurde von Bildhauer Paul Hetzei (1767-1849) von Burgkunstadt und Vergolder Johann Roth aus Eger (1811/ 1812) erstellt. Die Orgel von 1930 lieferte Hans Mertel (geb. in Marktschorgast), ihr Neubau erfolgte 1988/ 1989 durch Fa. Gebrüder Mann, Marktbreit.

Wiederherstellungen

Bekannt sind mehrere Teilrenovierungen, etwa die von 1867. 1938 ließ Keidel, Staffelstein,
die vier Altäre und die Kanzel wieder in ursprünglicher Farbenpracht erstrahlen. 1953 erfolgte eine Erneuerung der Deckenfresken durch die Fa. Mayer, Bamberg. Eine Gesamtrenovierung wurde in den Jahren 1984-1986 durchgeführt: Sanierung aller Altäre, der Raumschale und der Fassade, Erneuerung des Fußbodens, der Bänke, der Beichtstühle; dazu Einbau einer neuen Heizung; die Renovierung des Orgelgehäuses und die Schaffung eines neuen Orgelwerkes übernahm 1988/ 1989 die Fa. Gebrüder Mann aus Marktbreit.

Außenbau

Auf einer Anhöhe am Rande des Frankenwaldes gelegen, bietet die Kirche nach allen Seiten ein wirkungsvolles Bild. Der Baukörper zeichnet sich durch seine schöne Geschlossenheit aus. Das mächtige Dach wird durch reizende Dachfenster (in zwei Reihen) belebt. Die Fenster sind auch außen umrahmt. Die Strebepfeiler aus Sandsteinquadern legen nahe, dass die Langhausmauern vom früheren Bau übernommen wurden. Der Aufgang zur Kirche an der Nordseite wurde teilweise nach den Plänen des berühmten J. J. M. Küchel gebaut. Nach einem breiten Treppenaufgang gabelt sich dieser nach einem kurzen Absatz in zwei schmalere Stufenanlagen. Dazwischen sollte nach Küchel ein hl. Grab als 14. Kreuzwegstation stehen, wobei aus den Seitenwunden Christi Wasser fließen sollte. Dieses Projekt wurde aber nicht realisiert. Dafür stellte man zwischen die beiden Treppen eine Steinmadonna (wohl von Johann Kaspar Metzner 1695: Regina coeli), und links und rechts die 12. und 13. Station des Sandsteinkreuzweges, der sich um die gesamte Klosteranlage zieht. Links der Kirche steht das Franziskanerkloster (1644-1650). Es ist durch einen Bogengang mit dem Mönchschor (Klosterkapelle) über der Sakristei verbunden.

Der malerische und stimmungsvolle Vorplatz wird umrahmt von der Kirche, dem Torbogen, dem einfachen Klosterbau und der alten Schule. Dieser freie und vom Verkehr abseits liegende heilige Bezirk bildete früher den Pfarrfriedhof. Die seitlichen Eingänge in die Kirche, mit Säulen und Gesims betont, befinden sich in der Mitte der Langhausseiten: man trug früher die Toten zum Requiem auf der einen Seite hinein, auf der anderen heraus. Zwischen den Strebepfeilern der Nordseite sind bei den mittleren drei Jochen kapellenartige Nischen mit Bedachung eingefügt: Die mittlere bildet einen kleinen Vorbau zum Eingang, links ist seit 1897 eine Lourdes-Grotte untergebracht, rechts eine hervorragend gestaltete Kreuzigungsgruppe aus der Zeit nach 1520. Die Holzfiguren stehen in ihrer künstlerischen Ausdruckskraft weit über dem Durchschnitt.

Besonders der Christuskörper zeichnet sich durch ernsten, tief gefühlten Ausdruck aus. Aber auch die beiden, absichtlich etwas kleineren Statuen von Maria und Johannes fallen durch ihre persönliche Komposition auf. Die Figurengruppe vermittelt ein tiefes religiöses Erlebnis. An der Südseite befindet sich eine ikonographisch interessante Ölbergdarstellung. Ein architektonisch gelungenes Werk Küchels stellt der mit Pilastern geschmückte Turm an der Westseite dar. Das verjüngend aufsteigende Bauwerk trägt die barock geformte Zwiebel, die in einer lang gezogenen Spitze endet.

Den Abschluss bildet ein 3 m hohes schmiedeeisernes Kreuz, dessen Kreuzungsmitte eine Rosette bildet; in ihr ist in schwungvoller vergoldeter Schrift der Name der Gottesmutter "Maria" eingearbeitet. Der Dreiecksgiebel an der Fassade trägt das große Wappen des Landesherrn, des Fürstbischofs Friedrich Carl von Schönborn.

Blick durch das Langhaus zum Chor
Blick durch das Langhaus zum Chor

Glocken

Die fürstbischöfliche Glockengießerei Keller aus Bamberg lieferte folgende Glocken: 1752 zwei kleinere Glocken mit 1,75 Ztr. und 3,5 Ztr., 1755 die Angelusglocke mit 14 Ztr., 1765 die 11-Uhr-Glocke mit 30 Ztr. und 1820 die große Marienglocke mit 53 Ztr.. 1957/ 1958 wurden die beiden erstgenannten kleinen Glocken ersetzt durch eine 12 Ztr. schwere alte Glocke von 1716 (Johann Konrad Roth, Forchheim) und eine neue, ebenfalls 12 Ztr. schwere Glocke von Bachert, Kochendorf. Dadurch wurde der Klang des Geläuts glücklich ergänzt.

Wallfahrtsbasilika Marienweiher
Wallfahrtsbasilika Marienweiher

Innenraum

Den eingezogenen, zweijochigen Chorraum überspannt ein Steingewölbe, wogegen man im einschiffigen fünfjochigen Langhaus eine Holzgewölbekonstruktion wählte, um eine lichtere Wirkung und eine bessere Akustik zu erzielen. Außenmaße der Kirche: Länge 48 m, Breite 14,20 m, Höhe 19,30 m, Turmhöhe 48 m. Innenmaße der Kirche: Breite und Höhe je 12 m.

Blick zur Orgelempore
Blick zur Orgelempore

Innenausstattung

Der Innenraum der Wallfahrtskirche strahlt eine andachtsvolle Stimmung aus. Dazu kommt eine Atmosphäre der Wärme, hervorgerufen durch die malerische Rokokoausstattung und die lebendige, farbige Deckengestaltung. Die Fresken von Antonio Nave führen in fünf Szenen den freudenreichen Rosenkranz vor Augen: Mariä Verkündigung, Mariä Heimsuchung (Patrozinium), die Geburt Jesu und die Darstellung Jesu im Tempel. In den kleineren Zwickelbildern finden wir die Vermählung Mariens, ihren Gang über das Gebirge, die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland sowie den 12-jährigen Jesus im Tempel. Das Deckengemälde des Chorraumes zeigt den Tod und die Himmelfahrt Mariens.

Besonders gelungen ist die Stuckierung von Johann Jakob Vogel. Die Einzelformen des Stucks sind äußerst mannigfaltig: Bandwerk, Palmzweige, Akanthusblätter, dazwischen kirchliche Utensilien sowie Vögel, Girlanden, Zweige und Engel.

Der Stuck in dieser Reichhaltigkeit verschiedenster Formenwelten ist einmalig. Leider ist die Farbfassung aufgrund einer Überarbeitung und durch Umwelteinflüsse nicht mehr originalgetreu. Der prächtige klassizistische Hochaltar wurde 1811/ 1812 vom Bildhauer Hetze und Vergolder Roth geschaffen. Er verdankt seine Wirkung vor allem der Lichtführung und seiner künstlerischen Vielfalt. Sechs mächtige, durch Galerien und Blumengewinde verbundene Säulen verbinden Vor- und Rückbau, Tabernakel und Gnadenbild. Die vier äußeren Säulen tragen Engelfiguren, die beiden inneren Urnen.

Über dem Tabernakel thront unter einem festlichen Baldachin das viel verehrte Gnadenbild, eine spätgotische Madonna (um 1450), dreiviertel lebensgroß, mit Jesuskind in barocker Umkleidung (Holz). Die schöne Gnadenfigur weist einen reichen Faltenwurf auf, welcher durch das barocke Gewand verdeckt wird. Darüber erscheint die Gruppe der Heiligsten Dreifaltigkeit auf einer vergoldeten Weltkugel. Zwischen den Säulen stehen die Statuen des hl. Franz von Assisi und des hl. Antonius von Padua, in den Fensternischen die Diözesanpatrone von Bamberg, das Kaiserpaar St. Heinrich und St. Kunigunde. An der linken Chorwand hängt das älteste und wohl interessanteste Votivbild, von Ketten und Handschellen umgeben.

Ein Marktleugaster, der unter Karl V. (1519-1556) als Hauptmann gegen die Türken mit gefochten hatte, sei in feindliche Gefangenschaft geraten. In seiner Not habe er sich an die heimatliche Mutter Gottes gewandt. Sein Gebet habe schnelle Erhörung gefunden. Während eines tiefen Schlafes sei er samt seiner Ketten in die Wallfahrtskirche von Marienweiher getragen und vor dem Hauptaltar niedergelegt worden, wo er am nächsten Tag vor dem staunenden Volk erwacht sei.

Zum Dank für seine Rettung habe er das Bild mit den Ketten gestiftet. Über dem Sakristeieingang hängt ein bemerkenswertes Holzrelief mit dem Tod Mariens (nach 1500). Der unbekannte Meister dieses Werkes verfügte über ein großes Kompositionstalent. Mit meisterhaftem Können und starker Ausdruckskraft schuf er für jeden Apostel einen Charakterkopf. Das Gesicht Mariens zeigt die ländliche Herkunft und Gebundenheit des Künstlers.

Gegenüber der Sakristei befindet sich eine Seitenkapelle, deren Altar (von M. Wallher) gleichzeitig die 14. Kreuzwegstation bildet. Deshalb hat er die Grablegung Christi zum Thema: Oben die fünf Wunden, trauernde Engel, Joseph von Arimathäa mit dem Salböl und Nikodemus mit den Gesetzestafeln; das Altarbild von L. Kaim (Kronach 1856) zeigt Maria unter dem Kreuz; unter dem Altartisch Jesus im Grabe (Weihe 1766).

Tod Mariens, Holzschnitzarbeit, nach 1510
Tod Mariens, Holzschnitzarbeit, nach 1510

Die zwei Seitenaltäre von M. Wallher aus dem Jahre 1733 stehen noch innerhalb der reich geschwungenen Kommunionbank. Der linke Nebenaltar, dem hl. Johannes Nepomuk geweiht, weist auf das Bußsakrament hin. Im Bild oben sehen wir den Heiligen, der die Beichte der Königin von Böhmen (aus dem Geschlecht der Wittelsbacher) entgegennimmt. Im Hauptbild (von Michael Link?) erscheint der gleiche Heilige als Märtyrer des Beichtgeheimnisses und Wahrer der Rechte der Kirche gegenüber dem König. Im unteren kleinen Bild ist die Taufe Jesu dargestellt. Die beiden Heiligenfiguren stellen Johannes Ev. und Joachim dar. In die Mauer daneben ist ein Grabstein mit dem Wappen einer 1716 jung verstorbenen Hohenzollernprinzessin eingelassen.

Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Antonius von Padua geweiht und weist auf die Gegenwart Jesu im Altarsakrament hin. Darauf bezieht sich das obere Bild mit dem sog. Eselswunder, das ein Ereignis aus dem Leben des Heiligen erzählt: Während der Mensch nicht an die Gegenwart Jesu im hl. Altarsakrament glaubt, sinkt das vernunftlose Geschöpf auf seine Knie. Das Hauptbild (von M. Link?) stellt den hl. Antonius dar, wie ihm Maria das Jesuskind überreicht, darunter das Bild der hl. Anna. Das Altarblatt flankieren zwei Statuen: links der hl. Josef, rechts der hl. Judas Taddäus, ein Verwandter Jesu.

Die barocke Kanzel ist das Werk des Bambergers Martin Watther (1728) und des Ebermannstädter Marmorierers und Vergolders Johann Bruckner. Eine zierliche Schraubensäule trägt den Corpus, an dem die vier Evangelisten angebracht sind; kleine Engelsköpfe lächeln vom Brüstungssims herunter. Auf dem Schalldeckel sehen wir Christus, den Erlöser der Welt.

Die Seitenwände erhalten durch die großen Kreuzwegstationen einen reichen, lebendigen Schmuck. Die Bilder eines unbekannten Meisters sind von eindrucksvollen, geschnitzten Rokokorahmen (1770/ 1771) eingefasst.

Die stattliche Empore ist geschmückt mit sechs Bildern marianischer Symbolik: An der Vorderseite links, Maria als Licht der Menschen, die auf dem Wege sind; in der Mitte Maria als die Gütige für alle; rechts Maria als die Hoffnung der Menschen in Not. An der Unterseite der Empore finden wir Marien-Bilder aus der Lauretanischen Litanei: Links Maria (Apothekerin) als Heil der Kranken; in der Mitte ein Brunnen: Maria, die Mutter der göttlichen Gnade; rechts ein Schild: Maria, Zuflucht der Sünder.

Das schöne Orgelgehäuse entstand um 1780/ 1784. Das neue Orgelwerk aus dem Jahre 1988/ 1989 umfasst drei Manuale und Pedal mit 37 klingenden Registern, sechs Normalkoppeln und 16 Setzerkombinationen. Dieses neue Werk entspricht in seiner Klangfülle und seinen Variationsmöglichkeiten voll der überregionalen Bedeutung dieser Wallfahrtskirche.

An der Rückseite des Kirchenschiffes finden wir zwei kleinere Statuen des 17. Jahrhunderts, die sog. Egerer Madonna und Bischof Otto I., sowie zwei St.-Otto-Stäbe. Außerdem hängt an der linken Seite die Egerer Wallfahrtsfahne von 1868 und an der rechten Seite eine Marienfahne, gestiftet von den in die USA ausgewanderten Pfarrangehörigen.

Im Turmgeschoss befindet sich die Anna-Kapelle. Auf dem Altar (von M. Wallher, 1745) steht in krippenhafter Form die seltene Darstellung des Todes der hl. Anna, eine spätbarocke Arbeit in Holz. Hier befindet sich auch die sog. Mirakelkammer (Wachskammer). Die Votivbilder sind Zeugnisse eines innigen, dankbaren Volksglaubens an die Hilfe der Gottesmutter in den verschiedensten Nöten des Lebens. Ältere Votivbilder sind leider nicht mehr erhalten, wohl aber Wachsgaben. Auffallend sind die vielen Wachspuppen der geheilten Kinder und Erwachsenen.

Bedeutung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Marienweiher ist eine mittelgroße Rokokokirche, die in der Außenerscheinung sehr geschlossen wirkt und sich harmonisch in die hügelige Landschaft des Frankenwaldes einfügt, mit reicher und farbenfreudiger Innenausstattung versehen. Es ist ein Vorzug, dass diese alte und beliebte Wallfahrtsstätte abseits liegt, denn nur so konnte sie sich ihre religiöse, volksnahe Form und Atmosphäre als Ort von Gebet, Wallfahrt und Marienverehrung bewahren. Für die Kunst Süddeutschlands und insbesondere Frankens aber sind das Werk eines J. J. M. Küchel und J. J. Vogel sowie die unvergessliche Kreuzigungsgruppe am Übergang von der Spätgotik zur Renaissance - insgesamt Arbeiten einheimischer Künstler - bedeutsam.

Wallfahrtsbasilika Marienweiher
Wallfahrtsbasilika Marienweiher

Die Wallfahrtsbasilika Marienweiher

Wallfahrtsbasilika Marienweiher

Text: Hugo Schnell - P. Stefan Bachmeier OFM
Neufassung: Max Zapf, P. Serafin Latacz OFM, Norbert Schmidt

Literatur: Karl-Ludwig Lippert, Landkreis Stadtsteinach (Bayer. Kunstdenkmale Bd. XX),
München-Berlin 1964, S. 55-63, 126 (mit weiteren Lit: Angaben). - Hugo Schnell/P Stefan
Bachmeier OFM, Marienweiher/OFR (Schnell, Kunstführer Nr. 314), München-Zürich 31978. -
Hermann Fischer/Theodor Wohnhaas, Historische Orgeln in Oberfranken, München -Zürich
1985, S. 160/161. - Karl Heinrich Bruckner, Marienwallfahrten im Erzbistum Bamberg, Bamberg 1989, S. 58-61.

Fotos: Dieter Gareis

Schnell, Kunstführer Nr. 314 (von 1938) 4., völlig neu bearbeitete Auflage 1991
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