Markt Marktleugast

Markt Marktleugast – Aktuelles

Kommunale Zusammenarbeit beim Breitbandausbau

Sehr gut klappt die interkommunale Zusammenarbeit zwischen den Kommunen des Kulmbacher Oberlands und angrenzenden Kommunen des Landkreises Hof. Im Helmbrechtser Rathaus haben sich nun fünf Bürgermeister getroffen, um sich auf den neuesten Stand in Sachen Breitbandausbau zu bringen. Im Bild sitzend von links: Siegbert Reuther von NetConsulting Bad Staffelstein und der Helmbrechtser Bürgermeister Stefan Pöhlmann. Stehend von links: der neue Helmbrechtser Geschäftsführer René Seifert, die Bürgermeister Karl Philipp Ehrler (Stammbach), Werner Burger (Grafengehaig), Franz Uome (Marktleugast), Siegfried Beier (Presseck) und Michael Kramß vom Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (ehemals Vermessungsamt).

Die Zusammenarbeit zwischen den südöstlichen Kommunen des Landkreises Hof, den Städten Helmbrechts und Münchberg sowie der Marktgemeinde Stammbach und den Marktgemeinden des Kulmbacher Oberlands, Marktleugast, Grafengehaig und Presseck sei schon immer vorbildlich gewesen, so drückte es der Helmbrechtser Bürgermeister Stefan Pöhlmann bei der Begrüßung seiner Amtskollegen Karl Philipp Ehrler, Werner Burger, Franz Uome und Siegfried Beier aus.Der Münchberger Bürgermeister Christian Zuber musste wegen eines anderen Termins passen.

Bei dem Treffen ging es darum, dass sich die Bürgermeister über den Zwischenstand in Sachen Breitband informieren. Für Aufklärung sorgten Siegbert Reuther von NetConsultung in Bad Staffelstein, das zuständige Büro der drei Kulmbacher Kommunen und der Stadt Helmbrechts, sowie Michael Kramß vom Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, dem ehemaligen Vermessungsamt.

Für den Diplom-Ingenieur Siegbert Reuther ist die Zusammenarbeit von so vielen Kommunen in Sachen Breitband „bemerkenswert und beeindruckend“. Er betreue mit seinem Büro mehr als 60 Kommunen in Oberfranken, aber solch eine Bündelung gäbe es nirgends. „Was hier aufgebaut wurde, ist ein Vorzeige- und Leuchtturmprojekt.“ Für den Ingenieur hätte die Zusammenarbeit beim Breitbandausbau aber noch besser ausgestaltet werden können. Man wollte aber den einzelnen Kommunen nicht die Freiheit nehmen, ihre Provider selbst auszusuchen. Im Raum Coburg betreue er zwei Kommunen, die schon den gleichen Provider gewählt haben. Durch den Synergieeffekt könnten diese nun weitere finanzielle Vorteile erzielen. Michael Kramß wusste, dass es auch im Landkreis Hof schon zwei Kommunen gibt, die den gleichen Provider gewählt haben und gemeinsam mit ihm verhandeln. Im Landkreis Hof hätten alle 27 Kommunen die kommunale Zusammenarbeit mit mindestens einer Nachbarkommune genutzt und sich dadurch jeweils weitere 50 000 Euro Förderung gesichert. Kramß warnt, „auch wenn die Fördermittel meist bis an die Oberkante ausgeschöpft sind“, dass die kleinen Ortsteile mit wenigen Häusern fallen gelassen werden, weil deren Anschluss zu teuer käme. „Das wäre fatal und nicht erklärbar!“

Für Reuther habe in dieser Hinsicht bereits ein Umdenken eingesetzt. „Wir müssen auch dort, wo nicht so viel Action ist, die Zukunft sichern.“ Viele Leute würden sich in ländlichen Gegenden einen Ruheplatz suchen. Mit Breitband könne man auch junge Familien anlocken oder halten. Wenn das schnelle Internet in den Orten ist, müsse man auch die Bürger in die Pflicht nehmen, fordert Kramß. Sie müssen ihre Verträge dementsprechend umstellen und dürften nicht wegen fünf Euro lieber den alten, langsamen Anschluss behalten. „Die Anbieter müssen auch wirtschaftlich arbeiten können.“

Helmbrechts sei hier ein Vorbild. „Wir haben sogar Hausbesuche gemacht“, wirft Pöhlmann ein. Für Reuther wird dieses Problem spätestens dann behoben sein, wenn 2018 das ISDN abgeschaltet oder wenn in der Familie ein neuer Ultra-HDV-Fernseher angeschafft und ans Internet angeschlossen wird. „Dann muss ein höherer Tarif abgeschlossen werden.“ Auch die alternativen Provider würden sich auf das Preisniveau der Telekom zubewegen. Normal wechseln nur 12 bis 15 Prozent der User sofort nach der Erschließung ins Breitband. Pöhlmann sagt dazu, dass die LuK eine Preissenkung beschlossen hat, „als seriöser Anbieter könne man aber mit den Billigangeboten mancher Provider nicht konkurrieren“.

Für den Stammbacher Bürgermeister Karl Philipp Ehrler sind die Leute immer noch sehr Preissensibel. Der Druck müsse über die Jugend kommen, „wenn sich in den Haushalten mehrere Personen um die MB´s streiten“. Für die Zukunft der kleinen Gemeinden sei eine gute Breitbandinfrastruktur unverzichtbar. Bei Zuzüglern sei die erste Frage immer: „Gibt es Breitbandinternet und Kinderkrippenplätze?“. Gerade deshalb würden manche Städte, die nur wenig Förderung bekommen, ganz darauf verzichten und auf eigene Rechnung Glasfaser ausbauen.

Für Kramß hat aber Wirtschaftlichkeit die höchste Priorität. Die Gemeinden könnten nicht einfach entscheiden, auch wenn es zwei Millionen teurer sei. Sie müssten immer ihr Budget in den Augen behalten und das machen, was sie sich leisten können. „Lieber ein paar Monate länger warten.“

Der Grafengehaiger Bürgermeister Werner Burger könne sich nicht vorstellen, wie er es seinen Bürgern erklärt, wenn die Ortsdurchfahrt, die vor etwa zehn Jahren frisch geteert wurde, heute wieder aufgerissen wird. „Die prügeln mich.“ „Deshalb haben wir in Helmbrechts schon seit vielen Jahren immer bei solchen Arbeiten Leerrohre verlegt, ohne zu wissen, was da mal reinkommen soll“, antwortete Pöhlmann.

Wenn die neuen schnellen Verbindungen geschaffen sind, müssen die Leute aufgeklärt werden, dass das schnelle Internet nicht automatisch in die Häuser kommt, „hier müssen die Bürger eigeninitiativ handeln und ihre Verträge ändern“, fordert Reuther, viele würden denken, dass ohne ihr Zutun automatisch umgestellt wird.

Reuther nimmt den Vorschlag von Ehrler auf, dass man den Leuten vorführt, wie schnell mit den neuen Verbindungen gearbeitet werden kann. „Das ist ein riesiger Komfortgewinn.“ Die Bürger sollten genau verfolgen, wie weit der Ausbau in den einzelnen Gemeinden fortgeschritten sei, damit sie ihre Verträge nicht um zwei Jahre verlängern.

Abschließend berichtet Kramß noch, dass als nächster Schritt vorgesehen sei, dass alle öffentlichen Gebäude mit WLAN ausgerüstet werden, damit Passanden in der Umgebung das Internet nutzen können. Pöhlmann sagte, dass es in Helmbrechts schon in Planung sei. Er dankte Reuther und Kramß für die neuesten Infos. Helmbrechts werde alle Ortsteile mit einer leistungsfähigen Verbindung versorgen, „das Netz wird so zügig wie möglich ausgebaut“.