Markt Marktleugast

Markt Marktleugast – Aktuelles

In Gedenken an Georg Bauer

v. l.: Geschäftsstellenleiter Michael Laaber, Bürgermeister Franz Uome

Am 23. Januar 2021 wäre Georg Bauer, der Initiator unserer Gemeindepartnerschaft mit Pilisszentiván/Ungarn, 90 Jahre alt geworden. Bürgermeister Franz Uome und Geschäftsstellenleiter Michael Laaber nahmen dies zum Anlass, am Grab eine Schale abzulegen. Auch die ungarische Partnergemeinde gedachte an diesem Tag der Verdienste um die Partnerschaft. Pilisszentiván´s Bürgermeisterin Gyöngyi P. Révay ließ ebenfalls in freundschaftlicher Erinnerung eine Schale ablegen.

Bürgermeister Uome zeigte in einem Rückblick auf die Gemeindepartnerschaft das Leben und den Werdegang von Georg Bauer auf.

Während seine Mutter und seine beiden Schwestern mit vielen anderen Familien bereits 1944 als Ungarndeutsche nach Marktleugast übergesiedelt waren, konnte sich der damals 14-jährige Georg Bauer erst 1945, über das Sudetenland, hierher durchschlagen. Georg Bauer wurde am 23. Januar 1931 in Pilisszentiván geboren, besuchte dort von 1937 bis 1940 die Volksschule und anschließend auch das deutsche Jakob-Bleyer-Gymnasium in Budapest. In Deutschland angekommen, erlernte er zunächst den Beruf des Zimmermanns. 1956 heiratete er seine Frau Elisabeth, die aus dem Nachbarort Pilisvörösvár stammte. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter sowie ein Sohn hervor. 1964 wechselte Georg Bauer den Beruf und wurde für die damalige BELG, heute Bayernwerk, tätig. Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1988 war er dort im technischen Büro angestellt.

Seine eigene Vergangenheit und der Wunsch, zwischen der alten Heimat in Ungarn und der neuen Heimat, im schönen Frankenland, eine Brücke zu bauen, ließen Georg Bauer und seine Gattin schon frühzeitig zu einem unermüdlichen "Motor" für die gemeinsame Partnerschaft zwischen unseren beiden Gemeinden werden.

Es war das Jahr 1985 als der "Gemischte Chor" aus Pilisszentiván in Ludwigschorgast auftrat. Es war ein riesiger Erfolg für den Chor und ein großes unvergessliches Erlebnis für die ungarischen Gäste, die ja bis dahin diese Freiheit so nicht kannten und dieses Ereignis für alle unvergessen blieb. Dies war für Georg Bauer nun auch der letzte Anstoß dafür, sich für eine Partnerschaft zwischen beiden Gemeinden mit ganzer Kraft einzusetzen. Es vergingen aber noch weitere zwei Jahre, bis 1987 bis der Marktleugaster Marktgemeinderat dem Antrag vom 27.07.1985 dann zustimmte. Die erste große Hürde war genommen. Jetzt mussten natürlich noch die Ratsmitglieder aus der Gemeinde Pilisszentivàn ihre Zustimmung geben. Dies war bei dem damaligen kommunistischen System aber nicht so einfach, denn die ungarische Regierung musste über dieses Ansinnen entscheiden und ihre Genehmigung dazu geben. Mit Hilfe von Altlandrat Herbert Hofmann und dem damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten, Franz-Josef Strauß, gelang es die Behörden zu überzeugen und am 21.10.1988 war es dann soweit. Der Traum von Georg Bauer und seinen Unterstützern wurde wahr und die "Ehe" in Ungarn besiegelt.

Jetzt konnte die angestrebte Partnerschaft zwischen beiden Gemeinden beginnen und mit "Leben" erfüllt werden. Es war die erste Gemeindepartnerschaft zwischen den Ländern Ungarn und der Bundesrepublik Deutschland.

Es wurden nun von beiden Seiten Besuche und Begegnungen organisiert die bis heute unvergessen und allen in guter Erinnerung sind. Jedem war damals klar, dass wir unseren ungarischen Freunden gerade in materieller Hinsicht im Vorteil waren und so war es keine Frage, kräftig anzupacken um die "Not" unseres Partners etwas zu lindern. Hier war es wieder Georg Bauer, der mit Unterstützung des Marktgemeinderates, der vielen Ungarndeutschen, vieler Firmen und Geschäftsleute, die Ärmel hochkrempelte und eine Spendenaktion organisierte, die bis heute seinesgleichen sucht. Ohne die Ausdauer, die Hartnäckigkeit und den eisernen Willen von Georg Bauer wäre diese Gemeindepartnerschaft so nicht zustande gekommen.

Wir Gedenken dankbar und mit Stolz erfüllt, dem außerordentlichen Engagement von Georg Bauer, ohne dem diese Partnerschaft nicht zustande gekommen wäre.