Markt Marktleugast

Markt Marktleugast – Aktuelles

Europa für Bürgerinnen und Bürger – 30 Jahre partnerschaftlicher Dialog

Wir feiern
30. Partnerschaftsjubiläum -
30 Jahre freundschaftliche
Verbindung zwischen
Marktleugast und Pilisszentiván

Anlässlich unseres
30. Partnerschaftsjubiläums,
das wir in diesem Jahr
vom 19. Oktober 2018
bis 23. Oktober 2018 in Ungarn
feiern werden, haben wir für Sie,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
Geschichtsbücher gewälzt, in Kartons gekramt,
und uns etwas Besonderes für Sie einfallen lassen:

Das Jubiläumsjahr über, werden wir Ihnen in jeder Ausgabe unseres Mitteilungsblattes sowie auf unserer Homepage etwas über die Verbindung Ungarn-Deutschland, die dahinterstehende Geschichte, das Dorf Pilisszentiván und seine Bevölkerung sowie über die Entstehung und Historie der 30-jährigen Partnerschaft erzählen. Sie dürfen gespannt sein!

Teil 4
"Das Dorf Pilisszentiván und seine Bevölkerung"

Pilisszentiván - Sankt Iwan
Ein Dorf an der Grenze eines Gebiets mit "Europäischem Diplom"

Das Dorf wird von vielen besucht, aber nur wenige berichten über es. Ein Fremder weiß vielleicht, dass das Dorf irgendwo im Pilisch-Gebirge liegt, darauf weist auch der Name hin: Pilisszentiván. Diejenigen, die gründlichere geographische Kenntnisse haben, wissen, dass es dort zu finden ist, wo das Budaer/Ofener-Gebirge und das Pilisch-Gebirge zusammentreffen.

"Szent Ivány ist öde..., es liegt an der Esztergomer/Graner Landstraße, auf der linken Seite, Richtung Rotenburg/Werischwar, auf einen Kanonenschuss entfernt." (1690)

Der Reisende sieht von Berggipfeln umrahmte Straßen, Häuser, Bäume, Blumen und Menschen. Pilisch, Dobogók?, die Felswand von Oszoloy, Nagy-Kebély, Kis-Kevély, Zsírosberg, Nagy-Szénás, Iváni-Berg, Kis Szénás. Gipfel, die über das Dorf wachen und sowohl in den Besuchern als auch in den Einheimischen den Eindruck von Macht, Respekt und Ordnung wecken. In einem Film, in dem es um die Probleme der ungarischen Dörfer um die Jahrhundertwende geht, wirkt dieses Dorf seelenberuhigend. Eine Insel zwischen Felsen und Wäldern.

Bereits das Ortsschild weist auf die Geschichte des Dorfes hin. Sankt Iwan auf Deutsch, nach dem ursprünglichen Namen der Gemeinde Szent Iván.

Die nach der Türkenherrschaft verlassene Gegend ist die neue Heimat von angesiedelten Schwaben geworden, ebenso wie andere benachbarte Siedlungen. Die ersten fünf Familien kamen am 24. April 1724 aus dem Maingebiet, aus der Mainzer Gegend und der Siedlung Lohr. Seitdem wird dieser Tag als der Geburtstag des Dorfes gefeiert.

"...es gibt kaum Ackerland, der Boden ist sandig, steinig. Es gibt keinen Hanf, keine Wiese, nur in den Wäldern der Grundbesitzer. Erst jetzt hat man damit angefangen, Wein anzubauen. Es gibt keine Mühle und keine Möglichkeit zu fischen. Handel gibt es ebenso wenig. Wenn sie etwas zu verkaufen haben, können sie es 3 Meilen nach Buda/Ofen bringen." Das Urbarium von Maria Teresia (1771) stuft die Felder um Szentivány in die vierte, schwache Qualitätsklasse ein. Trotzdem schufen die Ureinwohner der Siedlung in fast 300 Jahren durch harte Arbeit in Weinbau, Tierhaltung, Holzgewinnung und Handel einen Lebensraum.

Am Rande des Dorfes wurde Lehm von sehr guter Qualität gefunden, den die Töpfer gut verwenden konnten. Die geographischen Gegebenheiten formten nicht das Bild eines typisch landwirtschaftlichen Dorfes. Die Nähe der im November 1895 in Betrieb gesetzten Eisenbahnlinie zwischen Budapest und Esztergom bot dem Dorf eine weitere Möglichkeit an, seine Abgeschiedenheit von der Welt zu ändern.

Aus der obigen Aufzählung ist auch ersichtlich, dass die hier Lebenden schon immer über gutes Durchsetzungsvermögen verfügten. Dazu kam ein Stück "unterirdisches Glück". Das Braunkohlenbergwerk, das zwischen 1849 und 1862 funktionierte, wurde 1892-1893 wiedereröffnet.

Die im Jahre 1898 überwiegend mit belgischem Kapital gegründete "Steinkohlenbergwerk AG Budapest und Umgebung" (Erschließung des Irmaschachts, des Elisabethschachts) stellte für ihre regelmäßige Kohlenförderung bereits 500 Bergleute ein. Im Jahre 1904 wurde auch mit der Erschließung der Werischwarer Kohlenfelder (Lipótschacht, danach Neuschacht) begonnen. An den Schaumarschacht im nördlichen Hang des Windbergs knüpft sich eine traurige Geschichte. Der Schacht wurde am 8. Juni 1933 verschüttet. Von den elf verschütteten Bergleuten konnten Neun nicht mehr gerettet werden. Anstelle der ausgeschöpften Schächte wurden am Anfang der 40er Jahre der Barbarastollen und der Stefanschacht erschlossen. Als das Bergwerk am 1. September 1946 verstaatlicht wurde, war nur noch der Letztere in Betrieb. Es wurde im Jahre 1948 mit der Erschließung des Unterstollens "Gute Hoffnung" begonnen, der durch den 3.200 m langen westlichen Stollen mit den Nagykovácser Bergbaufeldern verbunden war. Im Jahre 1965 wurden hier bereits 1.213 Mitarbeiter beschäftigt. Der Pilisch-Bergbaubetrieb stellte seine Produktion am 31. Dezember 1969 wegen der veränderten Landesenergiepolitik ein.

Das Leben der Gemeinde wurde 77 Jahre lang durch das Bergwerk geprägt. Es sicherte Arbeit, Lebensunterhalt und eine gewisse soziale Sicherheit. Dem Bergwerk war auch das zu verdanken, dass im Jahre 1946 keine deutsche Familie aus dem Dorf ausgesiedelt wurde. Das Bergwerk sicherte Wohnungen (Bergwerkssiedlungen, Lipták Kaserne, Flanc-Siedlung), am Anfang des Jahrhunderts gab es in der Gemeinde sogar ein Krankenhaus für Bergleute und auch eine Kantine. Später wurde das Dorf auch noch um ein Kino, Kulturhaus und eine Arztpraxis reicher.

Ab 1. Juli 1920 wurde die gemeinsame Verwaltung von Werischwar und Sankt Iwan eingestellt, was ein wichtiger Schritt auf dem Wege der selbstständigen Entwicklung des Dorfes war. Das Dorf wurde im Jahre 1921 unter dem Namen "Sankt Iwan" für selbstständig erklärt.

Die "Zwangsmaßnahmen" der Nachkriegszeit benachteiligten mehrfach die hier Lebenden. Sogar der Gebrauch ihrer Muttersprache wurde verboten. In der eigenartigen Wirtschaftspolitik der 50er Jahre ergab sich jedoch für Frauen die Möglichkeit, in der "Heimindustrie"-Genossenschaft Heimarbeit zu betrieben. Die im Jahre 1960 entstandene "Gutes Glück"-Fachgenossenschaft förderte die Entwicklung des Obstanbaues im Dorfe. Die Früchte der im Jahre 1990 mit der Wende angefangenen Entwicklungen genießen heute alle Dorfbewohner.

Im Jahre 1978 kam folgende Nachricht: auf dem Gebiet von Kis- und Nagyszénás wurde auf einer Fläche von 1.193 Hektar das Budaer/Ofener Naturschutzgebiet geschaffen. Im "Europa-Diplom", verliehen im Jahre 1999, wurden auf dem Gebiet von Kis- und Nagyszénás 1.182 Hektar Land unter erhöhten Schutz gestellt.

Es ist für das Dorf eine neue Pflicht und gleichzeitig eine neue Möglichkeit, durch die von ihm gewöhnte harte Arbeit, durch das Zeigen und die Ausnutzung der ökologischen Schätze seine Zukunft zu gestalten, dass es sich aus der Reihe anderer Dörfer hervorhebt.

Eindrücke aus Pilisszentiván:


 






 

Was macht die Anziehungskraft und das Geheimnis von Sankt Iwan an der Jahrtausendwende aus?

  • Die perfekte soziale Infrastruktur: Gasleitung, Tankstelle, Wasser- bzw. Abwasserkanalisation, Telefonnetz, asphaltiertes Straßennetz. Die Vielfalt von örtlichen Beihilfen und Stipendien, die örtlichen Arbeitsmöglichkeiten, die gute Luft, die Ruhe, die vielen kleinen Gemeinschaften, die kultivierte und entschlossene Lösung von Problemen aller Art.

  • Die Chance, vor die Welt zu treten: mit gepflegtem Dorfzentrum, Gedenkstätten, Traditionen, Plänen europäischen Niveaus, mit Wille und Entschlossenheit.

Warum nimmt die Einwohnerzahl ständig zu?

Vielleicht darum, weil das Dorf im Schatten der großen Berge trotz der Nähe der Hauptstadt sein eigenes Gesicht, seine Stille und gute Luft bewahren konnte und seine Güter und Schätze durch die strebsamen Bewohner immer gut gehandhabt wurden.

Die Vergangenheit ist ein Pfeiler der Zukunft. In Sankt Iwan verfliegt die Zeit so schnell und nützlich, dass sich die Gegenwart gleich in Vergangenheit umwandelt.


Demnächst folgt die Fortsetzung zum Thema "Volkstracht, Volksbräuche und Traditionen".